In Bronze gegossene Seelen

Bei den Wildthurner Kunsttagen stellen zwei junge Künstler aus

Caroline Wagner ist eine zierliche Person. Daß sie ein ausgesprochenes Energiebündel ist, merkt ein Beobachter, wenn er sie reden sieht. Ihre Energie setzt sie in ihre Skulpturen um. Lebendig sehen ihre Tierplastiken aus; sie trifft das Wesen des Tiers. Bis 30. August sind die Plastiken von Caroline Wagner sowie die Gemälde und Drucke von Johannes Remler in Schloß Wildthurn bei Landau zu sehen.

Gemeinsam haben die beiden Künstler, daß sie sich vom „Kunstzirkus“ unserer Tage abheben wollen. „Ich habe nie eine Akademie besucht," sagt Caroline Wagner. Wenn ich studiert hätte, wüßte ich jetzt nichts über Gießtechniken und das Handwerkszeug.“ Mit 28 Jahren weiß sie genau, was sie will: Sie hat ihre Erfahrungen durch die genaue Beobachtung der Natur gemacht und sich nicht an einem Trend orientiert. „Ich glaube nicht, daß unsere Werke, sowohl das von Johannes Remler als auch meines, einer Erklärung bedürfen,“ Caroline Wagner sagt das sehr bestimmt. „Andere Künstler müssen zu ihren Sachen lange Erklärungen abliefern, was sie mit ihrer Kunst ausdrücken wollen; wir haben das nicht nötig. Unsere Werke sind ausdrucksstark genug.“ Wer Caroline Wagner sieht und merkt, wie sie vor Energie bebt, wenn sie über ihre Kunst spricht, glaubt ihr, daß harte Arbeit dahinter steckt. Das geht sogar soweit, daß sie sich einen Hahn in ihre kleine Wohnung holt, um das Tier besser beobachten zu können. Dafür sieht ihr Bronze-Gockel aus, als wäre er geradewegs vom Misthaufen stolziert.

Die Krönung der Ausstellung ist die Statue einer alten Frau. Die Dame sitzt auf einem Bronze-Sessel im Garten des Schlosses und strahlt eine tiefe Ruhe aus; die Schultern sind nach einem langen Leben herabgesunken, eine leichte Traurigkeit hängt über der dunklen Bronze. Die Natur hat das Kunstwerk in Beschlag genommen: Eine Spinnwebe zieht sich von der Hutkrempe zum Schoß. Die Figur ruht in sich.

Dynamik zeichnet die Drucke von Johannes Remler aus. Nach dem Orkan „Wiebke“ fuhr er in einen Forst nahe bei München, dort entstand seine Serie über die Sturmschäden. Die Stämme liegen so, daß der Betrachter noch die Urgewalt spüren kann, die dieses Chaos verursacht hat; in manchen Bildern scheinen die Bäume noch zu fallen, alles strebt voller Spannung der Bildmitte zu. Die „Sonnenseite“ seines Schaffens präsentiert Johannes Remler in seinen Gemälden: Die Hälfte des Jahres verbringt der Münchner auf Malta. Die mediterranen Farben spiegeln sich in den Gemälden; mit impressionistischer Leichtigkeit und Energie fängt er eine Mittagsstimmung ein.

Zu sehen ist die Ausstellung der beiden Künstler im Rahmen der „2. Wildthurner Kunsttage“ auf Schloß Wildthurn bei Landau, jeweils freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Begleitend zur Ausstellung finden am 9., 14., 21. und 28. August jeweils um 20 Uhr Kammermusikkonzerte statt, der Eintritt ist frei. Geprägt ist das Klima der Veranstaltungsreihe vor allem durch die Familie Lermer, die die Kunsttage organisiert. Sie achten in ihrer herzlichen Art darauf, daß das hohe Niveau sowohl der Konzerte als auch der Ausstellung gewahrt bleibt.

Susanne R i e g e r